Regierung Online vs. Spiegel Online
Montag, Januar 19th, 2009Die Seite der Bundesregierung ist auch lustig: Wenn man mit der Maus über das Logo fährt, ändert es sich in ein verdächtig nach SPIEGEL Online aussehendes:
Die Seite der Bundesregierung ist auch lustig: Wenn man mit der Maus über das Logo fährt, ändert es sich in ein verdächtig nach SPIEGEL Online aussehendes:
Heute habe ich zufällig noch mal eine etwas ältere Ausgabe des manager magazin in der Hand gehalten, 03/07. Dass die Zeitschrift im Allgemeinen bei weitem nicht die journalistische Qualität des Schwesterblatts DER SPIEGEL erreicht, kann man angesichts der wesentlich geringeren Auflage in Kauf nehmen.
Im Artikel auf Seite 15 über den russischen Investor Rustam Axjenenko, geht der Autor für meinen Geschmack aber einen deutlichen Schritt zu weit in Richtung Unprofessionalität. Auf die Frage, wie der Mann zu seinem Geld gekommen sei, heißt es:
Nun ja, sein Vater war unter Boris Jelzin Transportminister. Und wer zu jener Zeit eine solche Funktion innehatte und nicht ganz dumm war, nutzt die Chancen, die sich ihm boten.
Der Autor befürwortet also offensichtlich Korruption, bezeichnet sogar korruptionsresistente Politiker als dumm.
Kann sich eine solche Zeitschrift so einen Fauxpas leisten, ohne ihre Glaubwürdigkeit ernsthaft aufs Spiel zu setzen?
Bezeichnenderweise gibt es im gleichen Heft ab Seite 160 einen Artikel über die Schwierigkeiten, die Manager haben, vom Gefängnis aus Ihre Unternehmen weiter zu führen.
Was ich schon lange vermutete habe, hat der SPIEGEL (48/2006) jetzt netterweise mal schwarz auf weiß bestätigt. Der aktuelle Pokertrend entstand nicht zufällig oder aus irgendeiner Laune irgendeines Fernsehmachers heraus. Online-Poker ist ein Milliardengeschäft, das vor einigen Monaten in den USA per Gesetz kurzerhand verboten wurde. Damit gingen der Branche ca. 80% der Umsätze flöten, schätzt der SPIEGEL.
Also sucht man außerhalb der USA nach alternativen Märkten. Besonders gut eignet sich dafür natürlich die traditionell weltweit erfolgreichste Film-Serie, James Bond. Dass der Film komplett um das zu bewerbende Produkt herum gestrickt wird, dürften sich die Sponsoren einen 2-stelligen Millionenbetrag haben kosten lassen. Wahrscheinlich eine gute Investition in die Zukunft der Spielsucht. Und ein weiteres Armutszeugnis für Hollywood. Damals dachte ich noch, das Fedex-Product-Placement in Cast Away würde nerven, der neue Bond läutet nun die nächste Generation ein.
Es fällt langsam auf, dass in letzter Zeit mehrmals “Experten” der Online-Partnervermittlungsagentur Parship innerhalb der Artikel herangezogen wurden. Zuletzt mal wieder in “Die Frauen-Falle” Ausgabe 17/2006, S. 39.
Da muss man sich doch fragen, ob das etwas mit der Zusammenarbeit bei http://parship.spiegel.de zu tun hat.
Heute habe ich einen interessanten Artikel bei Spiegel Online gelesen über einen neuartigen Onlineradioservice names Pandora.
Dieser soll anhand einiger vom Nutzer eingegebener Künstler oder Titel mit Hilfe toller künstlicher Intelligenz den Musikstil erkennen und daraus dann ein Radioprogramm mit ähnlichen Künstlern machen.
Zunächst fällt schon mal auf, dass das Ding offenbar nur amerikanische Künstler kennt. Jedenfalls habe ich es testweise mit einigen meiner US-Lieblingsbands gefüttert: NOFX, Pennywise, Billy Talent, System of a Down. Daraufhin kamen einige Stücke dieser Bands und zwischendurch auch einige andere Bands, die schon in diese Richtung gingen, aber mir weder besonders gut gefallen haben noch wirklich stilistisch gut zum Rest passten.
Dann habe ich den Fehler gemacht, die Bloodhoundgang hinzuzufügen. Eigentlich auch Punk, mit gewissen HipHop-Crossover-Einflüssen. Daraufhin hat mir das System ernsthaft nur noch saudummes Gangster-Rap-Gedudel vorgespielt. Lächerliche Vorstellung, komplett unbrauchbar das Ding.
Von den letzten 3 Ausgaben des Spiegel beschäftigten sich 2 mit Joschka Fischers “Visa-Affäre”. In der heutigen wird Fischer sogar das Ende seiner Karriere vorausgesagt. Was soll der Unsinn?
Es sind ein paar mehr Ukrainer jetzt in Deutschland, die für einen Hungerlohn die Klos an Autobahnraststätten putzen, die sonst nicht ins Land gekommen wären. Wahrlich eine Katastrophe. Suggeriert wird dagegen, dass es sich bei den illegalen Einwanderern ausschließlich um Kriminelle, Drogenhändler und Prostituierte handelt.
Ich frage mich, wessen persönliche Abneigung gegen Fischer in dieser Kampagne zum Ausdruck kommt. Dass die Opposition die “Affäre” ausnutzt, um dem beliebtesten deutschen Politiker ein paar Kratzer im Lack zu verpassen, ist verständlich. Mehr erwarte ich von einer Spitzenpolitikerin wie Angela Merkel auch gar nicht.
Aber dass der Spiegel sich dafür einspannen lässt, hätte ich nicht gedacht.
Aus der “Super Tipp Wochenpost”: “So konnte auf Grund der Anzeige einer aufmerksamen Velberter Bürgerin gegen einen Abfallcontainer vorgegangen werden, der sein Papier einfach neben den Wertstoffcontainern abgestellt hatte.”
Aus der - wie immer - lustigsten Seite des Spiegels.
Der Spiegel hat mit seiner “Rückkehr zur klassischen Rechtschreibung” schon viel meines Vertrauens in den gesunden Menschenverstand derer, die das zu entscheiden haben, eingebüßt.
In der aktuellen Ausgabe im Artikel “Wir sind wahre Entdecker” (Ausgabe 03/2005, S. 143 f.) wird jetzt auch noch fleißig gemischt:
Die Auswertung ist sehr aufwendig. Massenspektrometer sind sehr komplizierte Messgeräte.
Durch solche Inkonsequenz erscheint die “Rückkehr zur alten Rechtschreibung” nur noch als Tarnung für die Einsparung einiger Rechtschreibkontrolleure: Man schreibt mal alt, mal neu, “Fehler” kann man dabei kaum noch machen.
Ich hoffe, dass es auch der Spiegel bald einsieht, dass die Rechtschreibreform insgesamt schon sinnvoll war.
Und selbst wenn sie es nicht wäre, eine Rückkehr zu diesem Zeitpunkt ist einfach nicht mehr möglich.