Buchempfehlung: Kopf schlägt Kapital

Gerade im Urlaub fertig gelesen: Kopf schlägt Kapital von Günter Faltin. Besonders empfehlenswert für Noch-nicht-Unternehmer: Motivierend, Angst-nehmend aber auch anleitend ruft Faltin dazu auf, sogar unter Berufung auf Kant, sich aus der “selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien” und Entrepreneur zu werden. Dem kann ich aus eigener Erfahrung natürlich nur zustimmen und werde das Buch gleich mal ein paar interessierten Personen verabreichen.

Generell bin ich sehr einverstanden mit den Inhalten und seinen Meinungen, allerdings macht auch Faltin einen der klassischen Fehler, die Unternehmensgründungen in Deutschland behindern: Er fördert die These der bürokratischen Hemmnisse, die schuld sei und viele mögliche Unternehmer abschrecke. Dass Bürokratie abschreckt, stimmt mit Sicherheit auch, aber nur weil es alle ständig behaupten.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: Totaler Unsinn. Natürlich nervt das Finanzamt jetzt auch ab und zu, aber in der Gründungsphase ist es absolut keine Hürde. Ich habe ab 1999 gut ein Jahr lang mein erstes Unternehmen ohne über Bürokratie nachzudenken “einfach gemacht” und erst nach der Anfangsphase eine einfach Gewerbeanmeldung (Einzelunternehmen, dauert 5 Minuten) gemacht und mir einen Steuerberater gesucht. Vorher wusste das Finanzamt überhaupt nicht, dass ich existiere und selbst wenn es es selbst erfahren hätte, wäre es kein ernsthaftes Problem gewesen, die ersten Steueranmeldungen mit 1 Jahr Verzögerung abzugeben.
Steuerberatung und Buchhaltung sind so leicht und billig outsourcebar, sonst Faltins Lieblingsdisziplin. Das hätte er hier auch noch mal hervorheben können, dass an solcher Bürokratie in Deutschland niemand scheitern muss.

Sicher, da gibt es Ausnahmen. Ein Freund von mir stellt Apfelwein her und hat des öfteren von stressigen Hygiene- und ähnlichen Vorschriften erzählt. (Allerdings möchte man sich natürlich auch nicht vorstellen, was passieren würde, wenn jeder ohne irgendwelche Hygienekontrollen Lebensmittel herstellen und verkaufen dürfte, aber das nur am Rande.)

Also, bitte nicht verwirren lassen, der Rest des Buches ist großartig und kann vielleicht auch dich motivieren: Kopf schlägt Kapital online lesen,

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5 Kommentare zu “Buchempfehlung: Kopf schlägt Kapital”

  1. Florian Komm schrieb am April 14th, 2009 um 12:29

    Wer mehr Text, Videos, etc. von Prof. Faltin sucht, der wird auch auf http://www.entrepreneurship.de fündig. Dort bietet Prof. Faltin alle Inhalte kostenlos zum Lesen oder Herunterladen an.

  2. Jap, kann dir nur zustimmen. Am anfang gehts ja auch noch nicht um nennenswerte Beträge, da braucht man sich üüber Bürokratie keine Sorgen machen. Erst wenn Geld im Spiel ist wird evtl ab und an haariger. Aber dann ist das Outsourcen wie du schon sagst eh einfach. Ich hab das Gefühl wir können alle noch lernen: was wir nicht TOP können!! abzugeben. Find ich irgendwie einen typisch “deutschen” Fehler alles alleine zu machen ;) Nur so am Rande…

  3. Sasa Ebach schrieb am Mai 18th, 2009 um 05:21

    Diese ganze Kultur des Angestelltentums, ist erst so richtig seit nach dem ersten Weltkrieg in Fahrt gekommen. Vorher, also seit Anbeginn der Menschen als handelnde Wesen, hat jeder irgendwie eigene „Geschäfte“ gemacht. Das nennt man heute selbstständig sein. Trotzdem tun die meisten Leute so (vor allem Lehrer!), als sei es völlig selbstverständlich, dass man sein Leben auf ein Angestelltenverhältnis ausrichtet. Warum bekommen wir in der Schule nicht beigebracht, wie man selbstständig wird?

    In diesem Zusammenhang fand ich das Video mit Tarek Müller so amüsant: Tarek Müller gründete mit 15 Jahren das erste Mal

    Außerdem: Wenn ich Leute höre, wie sie davon reden, dass ihr Angestellten-Job mehr „Sicherheit“ bringt, läuft es mir kalt den Rücken runter. Aber ich bin auch in einer Familie von Selbstständigen aufgewachsen, vielleicht hat man dann eine etwas andere Grundeinstellung. Auf die Frage, was ich mal werden will, habe ich immer gesagt: „Egal, Hauptsache selbstständig.“

    Wenn man klein als Einzelunternehmer anfängt, dann ist das mit der Bürokratie wohl richtig. Das sollte jeder einfach ausprobieren. Es passiert ja nichts, wenn man keine Einnahmen erzielt.

    Was allerdings die Gründung von komplexeren Gesellschaftsformen betrifft, so sehe ich das auch anders. Wenigstens in einem bestimmten Fall. Ich bin mir sicher, dass Faltin das auch so meinte. Versuch mal von Anfang an eine AG zu gründen ;) OK, nicht jeder fängt mit einer AG an, aber auch andere Formen von Gesellschaften können in der Gründung höllisch kompliziert sein. Und manche Ideen lassen sich eben nur mit gewissen Gesellschaftsformen umsetzen oder sogar gar nicht. Der Staat „vermittelt“ auch nicht gerade, dass sie wirklich wollen (!), dass es mehr Gründungen gibt.

    PS: Der Vortrag zum Linkbuilding auf der SEMSeo hat mir außerordentlich gut gefallen. Widgetbaiting ist halt immer noch die Königsdisziplin beim Linkaufbau.

  4. Hab das Buch vor kurzem geschenkt bekommen - kann man wirklich lesen. Aber noch mehr interessiert mich der Apfelwein, da könnte man doch mit dem Thomas mal ein Gläschen trinken.

    Gruß aus Berlin

  5. Florian Komm schrieb am Februar 2nd, 2010 um 19:04

    Wer sich das Buch lieber anhören will, dem steht ab sofort die Hörbuchversion von “Kopf schlägt Kapital” zur Verfügung. http://www.kopfschlaegtkapital.com

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