Gestern habe ich eine einheimische Bekannte von Lars, Kate, missbraucht. Natürlich nur als Touriführerin. Um die letzte Touriattraktion zu finden, die ich noch sehen wollte, war das aber auch notwendig, eine Chinesisch sprechende Begeleitung zu haben. Es handelt sich um eine, sogar unter Chinesen, ziemlich unbekannte Attraktion, wie sich noch herausstellen sollte.
Mir hatte irgendjemand erzählt, dass es hier in Peking ein riesiges unterirdisches Tunnelsystem gibt, dessen Bau Mao 1969 befohlen hatte, als er einen Krieg mit der Sowjetunion befürchtete. Die Tunnel sollten der Bevölkerung Schutz bieten, sogar vor nuklearen Angriffen, aber vermutlich auch einem eventuellen Guerillakrieg dienen.
Das Tunnelsystem soll einst tausende von Eingängen besessen haben, von denen mittlerweile aber viele geschlossen wurden. Dennoch sind wohl auch viele noch offen, die nur sehr wenige Leute kennen. Für Touris gibt es allerdings nur einen Eingang, in der Nähe des Tiananmen-Platzes. Also traf ich Kate dort. Dann fragten wir einige der Soldaten, die da ja bekanntlich massenhaft rumstehen, nach dem Weg, aber die hatten alle keine Ahnung. Dann gingen wir dazu über, Taxifahrer zu fragen. Auch die hatten von dieser Attraktion noch nie gehört. Langsam zweifelte ich an ihrer Existenz.
Irgendwie kamen wir dann aber plötzlich an 2 Fahrradtaxifahrer, die verstanden hatten, wo wir hin wollen. So kam ich dazu, auch dieses lustige Verkehrsmittel mal auszuprobieren:

Der Weg führte uns durch Hutongs, traditionelle Stadtviertel, mit teilweise sehr engen Gassen. Jetzt wussten wir auch, warum die Taxifahrer den Ort nicht kannten: Man kam dort mit dem Auto gar nicht hin.

Die Fahrt mit dem Fahrrad dauert etwa 15 Minuten, dann waren wir tatsächlich am Eingang der Unterirdischen Stadt angekommen. Frei bewegen konnte man sich leider nicht, wahrscheinlich wär das auch gefährlich, da man sich dort sicher verlaufen könnte. Also hatten wir einen Führer.

Er hat übrigens kein Wort Englisch gesprochen, aber zum Glück hatte ich ja eine Übersetzerin. Er hat, wie üblich für so einen Führer, einen Haufen Daten und Fakten ausgepackt. Zum Beispiel auch, dass es einen Tunnel innerhalb dieses Systems gibt, der zur Großen Mauer führt (mindestens 50 km!) und auch einige in etwa auch so weit entfernte Nachbarstädte. Kaum zu glauben.
Die Wände der Tunnel waren teilweise mit offenbar originalen Postern versehen:

Teilweise aber auch mit dummem Tourikitsch wie diese Schaufensterpuppe mit Uniform:

Von Authentizität halten die Chinesen leider nicht so wirklich viel. Trotzdem eine sehr empfehlenswerte Attraktion, das Tunnelsystem.
